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  Vorwort

                 zum Skript

 
 

Gebirge haben auf den Menschen zu allen Zeiten eine tiefe Faszination ausgeübt. Wo sie so unterschiedliche Naturräume und Kulturkreise wie in Marokko trennen, gilt dies in besonderem Maße.

 

Die Atlasketten trennen das mediterrane Marokko des Nordens von Randbereichen der Sahara im Süden. Die sesshaften Land- und Stadtbewohner des Nordens unterscheiden sich in ihren Traditionen und Lebensgewohnheiten von den Nomaden des Südens.

 

Wo Gebirge Grenzen setzen, nimmt sie der Mensch  in seine Religion und sein Weltbild auf. Atlas trug aus Sicht der Griechen die Last des Himmels auf seinen Schultern. Die Djinn und Geister hausten im Volksglauben in den Wäldern, den Höhlen und den Quellen des Atlas-Gebirges. Dies verhinderte nicht sondern beförderte geradezu, dass sich in die Täler des Atlas religiöse Bruderschaften zurückzogen und dort ihr vom Glauben geprägtes Leben führten.

 

Die Menschen, die auf der Suche nach landwirtschaftlich nutzbaren Flächen den ständig wasserführenden Bächen in das Gebirge hinein folgten, überwanden aus rein praktischen Gründen die trennende Funktion des Gebirges.  In der marokkanischen Geschichte gelang es Stämmen und Dynastien mehrfach, aus dem Gebirge heraus oder es überschreitend die Macht in den  Städten und dem damaligen Staat zu erlangen.


Vollends überwunden wurden die Gebirgsketten des Atlas von den Kaufleuten. Wo die großen Märkte des Nordens und des Südens reiche Gewinne versprachen, wurden Hindernisse überwunden. Die Atlasketten stellten dabei ebenso wenig ein dauerndes Hindernis dar wie das Sandmeer der Sahara.

 

In unserem Jahrhundert drang der Fortschritt in das Gebirge ein: mit der französischen Eroberung in den dreißiger Jahren wurden Straßen geschaffen, in deren Folge der technische Fortschritt, aber auch der Nationalstaat mit seiner westlich orientierten Verwaltung in das Gebirge Einzug hielt. Wo Straßen bestehen, wird der Austausch von Gütern und Menschen erleichtert  und beschleunigt. Wo Satellitenschüsseln mitten im Gebirge den Empfang von Fernsehen ermöglichen, wird Wissen, aber auch fremde Kultur importiert.

 

Wer heute im Atlas wandert, kann in eindrucksvoller Weise nachvollziehen, was dieses Gebirge ausmacht:

Seine natürliche Stellung zwischen Mittelmeerraum und Wüste.

Seine Bedeutung als Siedlungsraum für die Berber.

Seine Funktion als Rückzugs- und Durchgangsgebiet.

 

Wer in traditioneller Weise zu Fuß das Gebirge durchschreitet, wer sich auf Land und Leute einlässt, wird den Charakter von Landschaft und Menschen erfassen und nicht nur einen Urlaub verbringen, sondern fremdes Leben im Umbruch zwischen Tradition und Moderne erfahren.

 


Zum Skript

 

Vorliegendes Skript ist entstanden aus zahlreichen Reisen und Wanderungen nach Marokko und in den Hohen Atlas seit 1982. Es dokumentiert nicht nur Wanderrouten, sondern versucht mit zahlreichen Abbildungen, Hintergrundinformationen, Rückblicken auf die vergangenen 24 Jahre sowie der Schilderung persönlicher Eindrücke dem Leser Land und Leute näher zu bringen. Entsprechend seiner langen und heterogenen Entstehungsgeschichte zwischen der Arbeit für meine Dissertation ab 1982 und der ersten Wanderreise mit meiner nunmehr zehnjährigen Tochter 2006 sind auch die Texte sehr unterschiedlich: Eindrücke aus Gruppenreisen mit Begleitung von Berbern, Erlebnisse von allein durchgeführten Touren bis hin zur Reise mit Kind standen Pate bei der Formulierung der Texte.

 

Im Skript wird ganz bewusst auf Informationen zu Marokko allgemein sowie auf Reiseinformationen zu den Städten und zu den üblichen Reiserouten außerhalb der Wandergebiete verzichtet. Hier wird auf die zahlreichen Marokko-Führer verwiesen. Andererseits werden einige Themen angesprochen und Literaturhinweise gegeben zu Fragen, die in den gängigen Führern nicht oder nur am Rande angesprochen werden.

 

Das Skript beschränkt sich auf den Zentralen Hohen Atlas mit der Tizi n´ Tichka – Passstraße im Westen und der Nationalstraße Midelt - Errachidia im Osten. Die Schreibweise der Lokalitäten orientiert sich grundsätzlich an der in den Karten im Maßstab 1:100.000 verwendeten; im Abschnitt Geologie an derjenigen der zitierten Autoren.

 

Dieses Skript will

- denjenigen, der den Hohen Atlas (noch) nicht kennt, durch Bilder, Beschreibungen und Informationen für dieses Gebiet interessieren;

- denjenigen, der eine Reise in das Gebirge allein oder in der Gruppe plant, einstimmen auf das, was  ihn dort erwartet und zugleich Hintergrundinformationen geben;

- demjenigen, der die individuelle Durchführung einer Wanderung plant, Informationen und Routenvorschläge zur selbständigen Planung und Durchführung einer Tour an die Hand reichen.

 

Dieses Skript gibt Hinweise und Vorschläge. Es bedarf der Ergänzung durch Karten und Reiseführer für die Städte und die Anreisewege sowie einer selbständigen und eigenverantwortlichen Reisevorbereitung unter Hinzuziehung weiterer Unterlagen, insbesondere detaillierter Karten.

Es wird grundsätzlich empfohlen, sich erfahrenen Personen anzuschließen (z.B. Bergführer, Reiseveranstalter).

 

Alle Angaben in diesem Skript sind sorgfältig zusammengestellt und beruhen auf eigenen Erfahrungen oder (zitierten) schriftlichen Quellen. Dennoch kann keinerlei Gewähr übernommen werden. Insbesondere ist dieses  Skript nicht geeignet, ohne eigenständige Routenplanung auf der Basis geeigneter Karten und zusätzlicher qualifizierter Informationen eine Reise selbständig durchzuführen.

 

Formal gliedert sich das Skript in vier Teile:

 

Eine Einführung mit allgemeinen Informationen zur Anreise und zum Trekking.

 

Einen zweiten Teil, in dem ausgesuchte Wanderrouten, teilweise in Form eigener Impressionen, erfahren auf diesen Strecken, beschrieben sind. Diese Beschreibung der jeweiligen Route ist verbunden mit charakteristischen Abbildungen. Daneben steht eine Dokumentation der Strecke mit Kartenskizzen, Höhenangaben, Verbindungen mit anderen Routen usw.

 

Im dritten Teil sind finden sich Ausführungen zur Geologie und zu besonderen geologischen Aufschlüssen.

 

Den vierten Teil schließlich bildet das Literaturverzeichnis.

 

 

 

 

Alle Rechte liegen beim Autor.

Vervielfältigungen in jeder Form untersagt

Jegliche Haftung ausgeschlossen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Oktober 2006

               /07.08

copyright:

G. Seufert